Historischer Aufstieg:

Die Heberinnen und Heber des AC 82 Schweinfurt starten nun in der 2. Bundesliga


Erstmals steigt der Schweinfurter Verein in die 2. Bundesliga auf. Dort rechnet sich der Klub Chancen aus und hofft auf viele Zuschauerinnen und Zuschauer.


So sehen Aufsteiger aus. Die Gewichtheberinnen und Heber vom AC 82 Schweinfurt in Röthenbach.
Vorne von links: Yannick Müller, Julia Metzger, Sophie Hügelschäffer, Ulrike Zehner, Tabea Thümmler, Cindy Röhlich
Mitte von links: Philipp Lendner, Johannes Horwedel, Maxi Bindrum, Lena Bindrum, Jonas Weiß, Christian Gareis
Hinten von Links: Alexander Neusteuer, Verena Horwedel, John Steger

Foto von Ralf Schlenz


Vom 10. Februar 2024 wird beim AC 82 Schweinfurt noch viele Jahre gesprochen werden. Die Gewichtheber des Vereins aus dem Schweinfurter Stadtteil Bergl erreichten an diesem Tag historisches: Künftig wird in der Oskar-Miller-Straße in der 2. Bundesliga gehoben. Eine Premiere in der über 40-jährigen Vereinsgeschichte.

Es war als hätte jemand ein Drehbuch für die Bayernliga-Saison geschrieben. Ein besonders spannendes. Der AC 82, letzte Saison sportlich eigentlich als Letzter abgestiegen und nur in der Liga geblieben, weil sich nicht genügend Teams fanden, kämpfte sich 2023 zum Ligaprimus empor und marschierte bis zum letzten Wettkampftag ohne Verlustpunkt durch die Saison. Vor dem Jahreswechsel verkündete der Verein seinen Sportlern, dass er ihnen den Gang in die 2. Bundesliga ermöglichen würde. Eigentlich war alles angerichtet aus Schweinfurter Sicht, allerdings wollte der TSV Röthenbach, ein jahrelanger Rivale, mit dem sich der AC 82 einst schon in der untersten Klasse kabbelte, den großen Spielverderber spielen. Mit einem glatten 3:0-Sieg hätten die Mittelfranken Schweinfurt noch überholen können.

AC-82-Urgestein Thomas Walz fiebert am Livestream mit
Ausgerechnet am sportlich wichtigsten Tag der Vereinsgeschichte, konnte AC-82-Urgestein Thomas Walz nicht mit dabei sein. Der erste Vorstand musste krank zu Hause bleiben, fieberte dafür am Livestream im Internet mit. Es gab Momente, da musste er seinen Platz vor dem Laptop verlassen und etwas spazieren gehen, verrät er. Es war eine reine Nervenschlacht für alle Beteiligten, daheim im Wohnzimmer und unter den 130 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Halle in Röthenbach. Erst der letzte Versuch des Abends entschied über den Aufsteiger.

Schweinfurts Heber-Trainer vergleichbar mit einem Spielertrainer beim Fußball Philipp Lendner musste als Letzter im Reißen ran. "Am Ende stehst du alleine an der Hantel, aber wir haben einen unglaublichen Zusammenhalt im Team", verrät Lendner, der die Nerven behielt und 116 Kilogramm technisch perfekt in die Höhe streckte. Damit ergatterte er den entscheidenden Punkt. "Der Druck war nicht gering", ergänzt Vorstand Walz mit einem trockenen Kommentar.

"Ich bin verflucht stolz darauf, was wir abgeliefert haben."
AC-82-Trainer Philipp Lendner

Trotz der 1:2-Niederlage, war den Schweinfurtern der Aufstieg dank mehr Kilopunkten in der Tabelle analog zum Torverhältnis in anderen Sportarten somit nicht mehr zu nehmen. "Ich bin verflucht stolz darauf, was wir abgeliefert haben", sagt Lendner. Personell war das Team dieses Jahr, nachdem einige Verletzte zurückgekehrt waren, besser aufgestellt als zuvor. "Aber viele Athleten haben diese Saison auch eine Schippe draufgelegt", erklärt der Trainer, für den der Aufstieg das absolute Highlight seiner mittlerweile elfjährigen Gewichtheber-Karriere darstellt.

Vorfreude auf die nächste Saison
Anders als in anderen Sportarten lässt sich aufgrund der Relativwertung jetzt bereits genau an Zahlen messen, ob das aktuelle Team des AC 82 auch eine Etage höher mithalten könnte. "Eine Chance in der 2. Bundesliga zu überleben, haben wir schon", meint Lendner. "Ich bin richtig motiviert und voller Vorfreude auf die nächste Saison", sagt Vorstand Walz mit Blick auf das Abenteuer 2. Bundesliga, das Ende des Jahres beginnt. Dort hofft man in heimischer Halle auf viele Zuschauerinnen und Zuschauer. "Der Verein und die Sportler hätten es verdient", sagt Walz.

Spannung ist dann bestimmt wieder garantiert und auch eine Besonderheit, die wohl kaum eine zweite Sportart bieten kann. "Ich Gewichtheben tritt im Zweifelsfall eine 50 Kilogramm schwere Frau gegen einen 140 Kilogramm schweren Mann an", erklärt Lendner den gemischtgeschlechtlichen Wettbewerb. "Und am Ende hat man hier eine Möglichkeit zu sagen, wer ist der Bessere." In der abgelaufenen Bayernliga-Saison waren es in aller Regel die Gewichtheberinnen und Gewichtheber aus dem Bergl.

Quelle: Mainpost Schweinfurt (Text: © Steffen Krapf - 17.02.2024