Wenn es der Stargast des Abends mit erhobener Faust heraufbeschwört, dann muss das doch ein gutes Zeichen sein. Alexander Leipold, früherer Weltklasse-Ringer und Irgendwie-doch-Olympiasieger, rief: "Kinder brauchen Vorbilder, wie sie heute geehrt worden sind. Deswegen bin ich für die Sportgala 2026 - und bis irgendwann." Die Sportgala im Tagungszentrum auf der Maininsel ist das Schaufenster des Schweinfurter Sports, ihre Zukunft jedoch ungewiss.
Der Haushalt der Stadt lässt nur ein schmales Budget in den kommenden Jahren zu. Ohne Sponsoren wird es haarig. Trotzdem lädt Sven Schröter, der gewohnt launig durch die vier Stunden im Tagungszentrum auf der Maininsel führt, den scheidenden OB Sebastian Remelé sicherheitshalber für den nächsten November ein. Der fühlt sich "zwischen Freude, hier zu sein und ein bisschen Wehmut" und spricht die berühmten vier Worte: "Das Buffet ist eröffnet."
Fester Bestandteil der Sportgala: die Vorführungen Schweinfurter Vereine. Die Dance Academy tanzt spektakulär. Das Soli-Einrad-Sechser-Team verzaubert mit anmutigen, fließenden Formationen. Dazwischen liegt eine Stunde Ehrungsmarathon - mit dem putzigen Auftritt der erst neunjährigen Lilith Metzger, die Gewichtheberin ist, "weil meine Mama das auch macht" und bereits 20 Kilo stemmt. Als er dem schmalen Mädchen die zarte Hand schüttelt, fragt sich nicht nur Jürgen Scholl vom mitausrichtenden Stadtverband für Sport, wie es wäre, wenn er annähernd sein Körpergewicht nach oben wuchten müsste.
In der Familie Leipold diente stets Papa Alexander als Vorbild, der beteuert, dass er seinen Sohn "niemals gewinnen lassen" habe. Der 56-Jährige aus Alzenau plaudert von seinen eigenen ersten sportlichen Gehversuchen: "Als Kind habe ich Fußball gespielt. Torhüter. Wir haben eine ganze Saison zu Null gespielt. Aber, weil die Mannschaft so gut war. Ich war manchmal am Boden gesessen und habe Sandburgen gebaut." Ringen war mehr sein Ding: Mit Zehn wurde Leipold erstmals deutscher Meister.
Den Gewinn des olympischen Finales 2000 in Sydney nennt er den Moment seines Sportlerlebens: "Auf dem Treppchen stehen, die Hymne hören, auf die Medaille beißen - das bleibt für immer in meinem Herzen." Nur: Eine kuriose Verkettung von Ereignissen beschert ihm eine Doping-Anklage und den Verlust von Titel und Edelmetall. Heute ist beides immer noch futsch, doch Leipold gilt als rehabilitiert. "Der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes hat mir eine Medaille gekauft."
Sieger beim "Perfekten Promi-Dinner"
Er kann inzwischen darüber schmunzeln. Vielleicht auch, weil er einen viel größeren Kampf gewonnen hat. Mit 34. Nach drei Schlaganfällen konnte er nicht mehr sprechen, war halbseitig gelähmt. Leipold war ehrgeizig, kam zurück, wurde noch einmal EM-Sechster und erst kürzlich Senioren-Weltmeister. Zurück im Leben - "da weiß man erst, was wirklich zählt". Er kann wieder genießen. Gewinnt das "Perfekte Promi-Dinner" und wird bei "Let's Dance" zweitbester Mann: "Okay, gegen Musical-Profi Alexander Klaws hatte ich keine Chance, aber Schlagersänger Bernhard Brink wollte ich schon hinter mir lassen."
Hinter sich gelassen hat Lorenz Grimm im Doppelvierer in Renngemeinschaft alle auf der deutschen Meisterschaft. Der Ruderer des RC Franken wird zum zweiten Mal nach 2023 Sportler des Jahres - und ist nicht persönlich da. Leistungsprüfung in Dortmund, "eine verpflichtende Kadermaßnahme", wie er im vorab produzierten Film-Interview sagt. Der Wirtschaftsinformatik-Student ist auch fürs Rudern nach Hamburg gezogen, dort gibt es einen Olympiastützpunkt. Von Olympia 2028 in Los Angeles will der 21-Jährige noch nicht träumen: "Wir müssen kleiner denken, ich will mich erst einmal für die U-23- oder A-Nationalmannschaft empfehlen."
Olympisch wird es dennoch: Stellvertretend nimmt Siegfried Kaidel den Pokal, das Bronze-Schweinchen "Felix", samt Siegerscheck entgegen. Der frühere Präsident des Deutschen Ruderverbands hatte bei seiner Verabschiedung 2021 vom damaligen IOC-Präsidenten Thomas Bach eine "Olympia-Krawatte" geschenkt bekommen - und diese für den Gala-Abend umgebunden.
Ebenfalls absent: die Sportlerin des Jahres. Faustballerin Annalena Schmid, mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft Europameisterin, lebt derzeit in Österreich, wo sie in der 1. Liga Erfahrung sammelt. Ehe sie in ein paar Monaten zurück zum TV Oberndorf kommt. "Meine ganze Familie spielt Faustball, da blieb mir gar nichts anderes übrig", sagte sie in die Kamera - vorab und aufgezeichnet.
Die "flotten Ferkel" vom Hockeyclub
Voll auf der Bühne wird es traditionell bei der Mannschaft des Jahres. Dieses Mal kommt das Aufstiegsteam des Regionalliga-Meisters FC 05. Obwohl tags darauf in der 3. Liga gegen Mannheim gefordert. "Solange rechnerisch etwas möglich ist, werden wir alles versuchen", sagt Trainer Victor Kleinhenz angesichts der sportlichen Flaute - und erhält aufmunternden Beifall.
Die Sonderehrung geht an den RC Franken für die Organisation der bayerischen Sprint-Meisterschaft, der Preis für die beste Jugendarbeit an den Hockeyclub, dessen Kleinste tatsächlich "die flotten Ferkel" heißen. Und der Sonderpreis für soziale Bindung an die Cricket-Abteilung der TG 48. Das Publikum erfährt, dass in dieser vor allem in Indien, Pakistan und Großbritannien verbreiteten Sportart ein Spiel auch mal eine knappe Woche dauern kann. Und das Ganze dennoch im Fernsehen übertragen wird. Sportreferent Jürgen Montag gesteht augenzwinkernd: "Ich habe in England ein Match gesehen und bin nach drei Tagen zusammengebrochen."
Immer ein Höhepunkt: der "Felix" für das Lebenswerk. Der geht 2025 an Karin Schaffner von der TG 48. Sie hat vor Jahrzehnten als Erste in Deutschland einen Bewegungskindergarten ins Leben gerufen. Ist seit knapp 70 Jahren Übungsleiterin und ist kreuz und quer durch die Republik gefahren, um Erzieherinnen auszubilden. Noch heute leitet sie Senioren-Trainingsstunden. Sie wird von ihrer Tochter auf die Bühne geführt - und verdrückt nicht nur eine Träne der Rührung.
Bericht Main-Post
Quelle: www.mainpost.de (Text: Michi Bauer) - November 2025
Jahr für Jahr ist sie ein Höhepunkt im Kalender unserer Stadt, eine Bühne für all jene, die mit Herz, Wille und unzähligen Stunden Training für ihren Verein und für Schweinfurt kämpfen.
Doch in Zeiten knapper Kassen steht vieles auf dem Prüfstand – vielleicht sogar diese wunderbare Gala. Wir hoffen sehr, dass sie uns auch im nächsten Jahr erhalten bleibt, denn sie ist weit mehr als nur eine Veranstaltung:
Sie ist Anerkennung.
Sie ist Motivation.
Sie ist ein Dank an alle, die den Sport in unserer Region lebendig halten.
SW-N-TV war für euch mittendrin, ganz nah an den Momenten, die man nicht planen kann:
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| Lilith Metzger - Kinder | Leonardo Martach - Jugend |
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| Bernd Stühler - Altersklasse | Edmund Wunderlich - Altersklasse | AC-Geehrte - Altersklasse |